Küchenpost

Day und Status – Freunden erzählt man Geschichten

Facebook setzt seinen Angriff auf Snapchat fort und führt nach Instagram Stories jetzt auch ähnliche Formate für WhatsApp und Messenger ein.

Wie wird das unsere Kommunikation verändern?

Jetzt also auch der Messenger (Day) und WhatsApp (Status) – Facebook denkt sich: wenn man Snapchat schon nicht kaufen kann, kopiert man halt dessen Erfolgsformel und ermöglicht selbst Storytelling auf seinen Kanälen. Funktioniert ja bereits auf Instagram …

Aber was bedeutet das für Unternehmen?
Zu allererst, dass sich der Social Media-Bereich den man schlecht beobachten kann – das sogenannte Dark Social – weiter ausbreitet. Eine One-to-One-Kommunikation wurde natürlich bereits in Zeiten der Day und Status - Freunden erzählt man GeschichtenSMS betrieben, trotzdem stellen die Aktualisierungen der Facebook-Netzwerke eine Zäsur dar.

Denn die neuen Story-Formate sind prädestiniert dafür, dort als Kunde über Erfahrungen mit Marken und Produkte zu berichten. Und zwar gefühlt privat, in kleineren Gruppen, mit seinen direkten Kontakten. So entsteht ein zusätzlicher Kommunikationskanal, der sich dem Zugriff von Unternehmen entzieht. Jeder hat die Möglichkeit ein Peer-Influencer zu werden.

Wie werden Stories angenommen?
Storytelling-Formate werden unsere Kommunikation verändern. Die Frage ist nur, wann das geschehen wird. Dadurch, dass mit Whatsapp und Facebook die beiden größten Dienste technisch nachgerüstet haben, könnte nun ganz Deutschland Geschichten erzählen. Theoretisch.

Denn abzuwarten bleibt, wie die Ü40-jährigen reagieren werden, die bereits intensiv Facebook und Whatsapp nutzen. Anders als die Generation Z, die Snapchat erst groß gemacht hat, sind ältere Semester mit anderen Werten sozialisiert worden. Sie sind medial nicht so resonanz-getrieben, wie Teens und Twens. Aufmerksamkeit ist hier weniger Selbstzweck als Mittel zum (klassisch-monetären) Erfolg.Day und Status - Freunden erzählt man Geschichten

Zum Thema passend hat Snapchat-Experte Philipp Steuer eine Twitter-Umfrage gestartet. Durch seinen Snapchat-Schwerpunkt werden viele seiner Follower natürlich überproportional diese App einsetzen. Trotzdem ist es spannend abzulesen, dass die „Stories“ derzeit am meisten genutzt werden, die am längsten auf dem Markt sind und nicht die Plattformen mit den meisten Usern vorne liegen.

Interessant wird es deshalb sein, diese Frage nochmal in einigen Wochen zu stellen, wenn sich die Funktionen nicht nur unter Heavy Usern und Social Media-Managern herumgesprochen haben. Wenn dann noch eine Clusterung nach Alter hinzukommen würde, können Unternehmen einschätzen wie es um die eigene Kommunikation steht: ist es noch fünf vor oder bereits fünf nach Zwölf?

Was können Kommunikatoren tun?
Zum Beispiel „Lotsen in der Informationsflut“ von Dr. Kerstin Hoffmann lesen. Diese beschreibt darin anschaulich wie Mitarbeiter zu Markenbotschaftern werden und dadurch im Dialog auch dort Stakeholder erreichen, wo Social Media bewusst technische Grenzen setzt.

Oder noch einen Schritt eher beginnen, mit etwas, das älter ist als Social Media und das Internet – nämlich bei den eigenen Werten. Nur wenn ein Unternehmen diese klar definiert und es ein Nutzenversprechen gibt, können sich Mitarbeiter daran orientieren. Das ist nicht neu, im Gegenteil, aber in der Praxis findet dies leider weniger Beachtung als kurzfristige Sales-Kampagnen. Denn es genügt nicht, seine Werte einmalig zu definieren. Es gilt diese auch stringent anzuwenden, sei es in der Produktentwicklung als auch in anderen Abteilungen.

Wer das inzwischen legendäre Video von Simon Sinek nicht kennt, sollte sich einige Minuten Zeit dafür nehmen.

Er erklärt darin, was Apple besonders macht. Wenn das WHY in allen Abteilungen des Unternehmens gelebt wird, entsteht automatisch ein einheitliches Bild gegenüber den Kunden. Egal ob Produktentwicklung, Vertrieb, Customer Service oder Marketing – eine fixe Regel gibt Orientierung und erleichtert ein erfolgreiches Leadership. Gleichzeitig ermöglichen diese Leitplanken auch spontane aber zur Marke passende Aktionen, die in Zeiten von schnell wechselnden Themen und mit Smartphones bewaffnete Verbraucher immer wichtiger werden. Beispielsweise im Falle eines Schneesturms.

Genau einen solchen hat Under Armour genutzt, um das zentrale Versprechen der Marke zu erfüllen. Dieses lautet: „Wir helfen Sportlern besser zu werden.“

Anstatt mit Plakaten entlang einer Laufstrecke Produkte zu bewerben, haben die Amerikaner Taten sprechen lassen. Am Morgen nach dem Schneefall hat Under Armour die Chance genutzt und Laufwege für Jogger freigeräumt. So haben sie Sportlern dabei geholfen, ihre optimale Leistung abzurufen.

Durch einen außergewöhnlichen Service wurden Markenwerte Realität. Und das auch noch so, dass man es direkt weitererzählen möchte. Als Story – egal auf welcher Plattform.

André Karkalis ist Geschäftsführer von KARKALIS COMMUNICATIONS. Manchmal schreibt er über Themen, die ihn bewegen. Meist im Sessel in der Agenturküche. So entsteht das Küchenpost.